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Aus unserem Gemeindebrief

Als ich zum ersten Mal das Bild der Losung sah, dachte ich: «Daniel in der Löwengrube». Jedoch, die Geschichte, aus der der Satz «Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!» stammt, ist nicht die von Daniel im Alten Testament, sondern die von einem verzweifelten Vater über dem Elend seines Sohnes im Neuen Testament (Markus 9,14-28). Als Jesus, zusammen mit Petrus, Jakobus und Johannes, wieder vom «Berg der Verklärung» zurückkam, stand er vor der Tatsache, dass seine Jünger einen epileptischen Knaben, den sein Vater zu ihnen brachte, nicht heilen konnten. Jesus ist verärgert über ihren Unglauben und nimmt sich der Not von Vater und Sohn an. Dabei wird sehr dramatisch beschrieben, wie der Junge vom «unreinen Geist» geplagt wird. Jesus kann ihn schliesslich heilen.

Bevor das aber geschieht, ist noch ein kurzes Gespräch Jesu mit diesem Vater beschrieben, nachdem der Junge wieder einen Anfall hatte. Da fragte er seinen Vater: Wie lange hat er das schon? Der sagte: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer geworfen und ins Wasser, um ihn zu vernichten. Jedoch – wenn du etwas vermagst, so hilf uns und hab Mitleid mit uns. Jesus aber sagte zu ihm: Was soll das heissen: Wenn du etwas vermagst? Alles ist möglich dem, der glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube! Hilf meinem Unglauben! (Markus 9,21-24)

Insgesamt eine schwierige Geschichte und nicht so leicht in die heutige Zeit passend und erklärbar. Also, ich kann die Jünger verstehen, die es nicht konnten. Und ich masse mir nicht an zu sagen, dass ich es gekonnt hätte. Man kann darüber sinnieren, weshalb es nicht geklappt hat mit der Heilung durch die neun zurückgebliebenen Jünger. Der Vater des Jungen hat es ihnen offenbar zugetraut und Jesus stellt fest, dass es mit dem Glauben seiner Jünger noch nicht so weit her ist.

Ebenso kämpft auch der Vater in dieser Geschichte um den Glauben. Jesu Worte sind herausfordernd: Alles ist möglich, dem der glaubt. (23) Und der Vater schreit es heraus: Ich glaube! Hilf meinem Unglauben! (24) Damit ist ausgedrückt, was wohl immer zum Glauben an Jesus und seine Macht dazu gehört; nämlich der Zweifel. Was ist Glaube? Eine fertige Antwort gibt es nicht. Von daher ist es gut, dass nun ein Jahr dies als Losung gegeben ist: «Ich glaube!» Und die Losung lädt ein, nicht nach einer absolut gültigen Antwort zu suchen, sondern sich auf den Weg des Glaubens zu begeben und in den verschiedensten Lebenssituationen zu entdecken, was dieser Glaube ist. Man kann auch sagen: Es geht um Vertrauen in Gott. Glaube drückt die Beziehung zu Gott aus in der Weise, dass ich mich auf ihn verlasse; dass er den besten Weg weiss und Lösungen findet, die ich noch gar nicht kenne. Gerade an diesem Vater in der Geschichte wird deutlich, dass Glaube nicht etwas Heldenhaftes ist, sondern dass Zweifel und Fragen in das Vertrauen zu Gott dazu gehören. Die Zweifel müssen nicht unterdrückt werden, sondern dürfen zugelassen werden, ja sogar mal «herausgeschrien» werden: «Hilf meinem Unglauben!» Die eigenen Zweifel und Fragen dürfen in das Vertrauen zu Gott eingeschlossen werden. Beides, Glaube und Zweifel, sind so nah beisammen wie im Ruf dieses Vaters: «Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!» So ist dieser Ruf eine Einladung für 2020 in dem Vertrauen zu Jesus Christus zu sein und zu bleiben; und alles, was kommt, in diesen Glauben einzuschliessen. Gleichzeitig eine grosse Hilfe, die Zweifel nicht zu verdrängen, sondern sie in das Vertrauen zu Jesus einzuschliessen. In dem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes neues Jahr und viele Glaubenserfahrungen auf dem Hintergrund dieser Geschichte und Losung. – Markus Schöni

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