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Pfarrers Worte

Abgesagt! Abgesagt?

Zurzeit überall zu sehen und zu hören: «Abgesagt». Ein mikroskopisch kleines Virus bringt es fertig, unser Leben völlig zu verändern. Fortwährend lösche ich Termine in meinem Terminkalender. Nichts mehr geht, auch in der Kirche nicht. Alles ist abgesagt. Was uns gerade widerfährt, zeigt, wie verletzlich und vergänglich unser Leben ist. Zehn Millionen Mal kleiner als ein Mensch, ist dieses Virus; habe ich gelesen. Und es bringt es fertig, uns zu demütigen, uns aus der Bahn zu werfen und alles durcheinander zu bringen. Matthias Plüss, in «Das Magazin» vom 18.3.2020, hat es so auf den Punkt gebracht: «Corona demütigt die Krone der Schöpfung».

Beten

Wir werden eingeschränkt; das Leben ist zurzeit reduziert auf das Wichtigste; viele andere Anliegen dieser Welt sind aus dem Blickfeld geraten. Nun, ich weiss es, während sich mein Terminkalender leert, gibt es viele, viele Menschen, deren Terminkalender übervoll ist. Menschen, die nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil sie sich bis an die Grenzen der Kräfte dafür einsetzen, dass dieses Virus besiegt wird, Menschenleben gerettet und Sicherheit für ganze Völker gewahrt werden. Für sie will ich beten und wo ich es kann, mich für sie einsetzen. Macht alle auch mit bei solchem Gebet!

Karfreitag und Ostern

fallen auch in diese Zeit, da alles abgesagt ist in der Kirche. So was habe ich in meiner ganzen Pfarrerzeit noch nie erlebt. Aber vielleicht hilft uns die jetzige Krise, das Geschehen am Kreuz und die Auferstehung Jesu noch besser zu verstehen. Vielleicht gehen uns diese Ereignisse besonders zu Herzen, wo wir die Anfälligkeit und Verletzlichkeit unseres Lebens besonders spüren. Gerade im Blick zum Kreuz Jesu wird uns deutlich, wie verletzlich wir Menschen sind. Jesus leidet und stirbt in grausamer Weise. Und es wird deutlich: Gott ist wirklich bis in die tiefste Not und Verletzlichkeit von uns Menschen in diese Welt gekommen.

Unermessliches Leiden

Jesus erleidet selbst, woran wir manchmal leiden. Das geht in ein unermessliches Leiden, das wir uns gar nicht vorstellen können; das Leiden an der Schuld von uns Menschen. Paulus fasst es so zusammen:
Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können. (2.Kor.5,21). In Jesus Christus ist Gott solidarisch mit uns Menschen bis ins ärgste Leiden hinein. Unsere Verletzlichkeit und Schuld sind aufgefangen durch ihn. Das hilft, gerade in Krisenzeiten, nicht nur die Krise mit ihren Ängsten und Sorgen zu sehen, sondern Gott in seinem Handeln, das durch alles Schwere hindurch gilt.

Und dann Ostern

Christus ist auferstanden! Er ist das Leben und dieses Leben behält den Sieg, setzt sich durch und bewegt Menschen zu neuer Hoffnung. Wir leben von dieser Hoffnung und sie ist die Kraftquelle aus der wir jetzt gerade schöpfen dürfen. Karfreitag und Ostern sind nicht abgesagt, auch wenn wir als Gemeinde in diesem Jahr nicht miteinander Gottesdienst feiern können. Erst recht ist angesagt, was Karfreitag und Ostern bedeuten. Sagt einander weiter (natürlich immer mit dem nötigen Abstand):
Jesus Christus ist unsere Hoffnung! Punkt.
In einem Gespräch mit jemandem wurde deutlich: Wenn das alles vorbei ist und wir uns wieder als Kirche versammeln dürfen, dann feiern wir ein Fest – ein Auferstehungsfest! Ich freue mich schon jetzt darauf.
Markus Schöni