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Pfarrers Worte

10 Du hast dich unserem Land zugewandt und es mit deinen Gaben überschüttet. Mehr als reiches Wachstum hast du geschenkt – ja, der Segensstrom Gottes führt Wasser im Übermass! Das Getreide lässt du gut gedeihen, weil du das Land entsprechend vorbereitest:
11 Du wässerst die Furchen des Ackers und lockerst seine Schollen. Durch Regen machst du den Boden weich und segnest sein Gewächs.
12 Du hast das Jahr gekrönt mit Gaben deiner Güte. Die Spuren, die du hinterlassen hast, zeugen von Wohlstand und Fülle.
13 Selbst auf den Grünflächen der Steppe steht üppiges Gras, und mit Jubel bekleiden sich die Hügel.
14 Die Weiden schmücken sich mit Herden, und die Täler sind bedeckt mit Korn. Alles bricht in Jubel aus, alles singt!
Psalm 65,10-14 (NGÜ)

In der Bibel überhaupt, und besonders in den Psalmen, wird oft deutlich wie wir Menschen abhängig sind von Gottes Segen. In den Versen aus Psalm 65 wird diese Abhängigkeit besonders deutlich. Gott segnet das Land mit Wasser, damit viele guten Gaben wachsen und letzt-endlich Nahrung für Menschen und Tiere sind. Ein Psalm, der gut zum kommenden Erntedankfest passt. Dabei gefällt mir Vers 12 besonders gut. Wir reden in diesem Jahr 2020 oft davon, wie schwierig und kompliziert alles ist. Wir spüren Unsicherheit und manchmal die Angst, weil wir nicht wissen, was das Corona-Virus allenfalls noch anrichten könnte.

In den vielen Fragen und oft gegensätzlichen Meinungen zu diesem Thema tut es mir gut, meine Blickrichtung mit diesen Psalmworten zu ändern. Und besonders Psalm 65,12 verändert meine Sichtweise. Auch dieses Jahr hat Gott mit Gaben seiner Güte gekrönt. Gott hat seine Spuren hinterlassen, die für uns Wohlstand und Fülle bedeuten. Und gleichzeitig weiss ich, dass es nicht alle so erleben. Menschen leiden Mangel, haben nicht genug zu Essen. Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz; die Finanzen sind knapp und durch die Krise ist es für viele noch enger geworden. Nicht alle können es so sehen, wie der Psalmbeter es ausdrückt.

So gesehen hat Danken zwei Seiten für mich. Die eine ist diese, dass ich Gottes Segen als Fülle erlebe. Unser Land ist überschüttet mit Reichtum (vgl. V.10). Ich habe keinen Mangel an irgendwelchen Gütern, die Leben bedeuten. Und wenn ich jammern wollte, dann würde ich das auf einem sehr, sehr hohen Niveau tun. Die angemessene Reaktion darauf ist der Dank an Gott; die Haltung, die in diesem Psalm zum Ausdruck kommt, dass hinter allem Gott ist, der segnet. Allerdings wäre das nur ein halber Dank. Die andere Seite gehört dazu. Dankbarkeit für Gottes Güte vollendet sich darin, andere an meiner Fülle teilhaben zu lassen; denen zu geben, die wenig oder gar nichts haben.
Dankbarkeit für Wohl-stand und Fülle ist nur dann wirklich echt und ehrlich, wenn unsere Herzen und Hände sich öffnen für andere. So kann ich im Sinne dieses Psalmes mit ganzem Herzen beten: Du hast das Jahr gekrönt mit Gaben deiner Güte. Die Spuren, die du hinterlassen hast, zeugen von Wohlstand und Fülle.
Markus Schöni