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Pfarrers Worte

«Für 2021 wird es keine von der EMK Schweiz selbst verantwortete und verbreitete Grafik zur Jahreslosung geben. Eine Vielzahl unterschiedlicher Umsetzungen ist im Buchhandel verfügbar. Im Moment ist unklar, ob bzw. wie das Angebot in kommenden Jahren den Gemeinden wieder unterbreitet werden kann». Diese nüchterne Mitteilung war zu lesen im EMK Newsletter vom Oktober 2020. Also habe ich entschieden, für unsere Gemeinde eine Losung aus der Fülle verschiedener Motive auszuwählen. Auf der Titelseite ist sie abgebildet. Gestaltet wurde sie von Eberhard Münch, Jahrgang 1959. Er ist selbstständig als freier Maler und Raumgestalter tätig. Nun bin ich gespannt, wie dieses Motiv ankommt und hoffe, dass dieses Kunstwerk in vielen Wohnungen ein Jahr lang Platz findet.

Noch ein Appell?
Hier an dieser Stelle möchte ich nicht auf die künstlerische Darstellung eingehen, sondern den Spruch in den Mittelpunkt stellen. Dabei
könnte man denken: Was, noch ein Appell! Noch ein Ausrufezeichen! Davon haben wir doch schon genug. Man denke an all die Appelle bezüglich Corona, bezüglich Verhaltensweisen gegenüber unserer Um- und Mitwelt, im Hinblick auf Abstimmungen… Und jetzt, ein Jahr lang der tägliche Appell: «Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!» Diese auffordernde Mahnung will sich aber nicht einfach einreihen unter viele andere Aufforderungen, denn sie ruft ja dazu auf, Gott selbst als Vorbild zum Handeln zu nehmen.

Lukas – Das Evangelium der Barmherzigkeit
Der Vers gehört zur «Feldrede» im Lukasevangelium (6,20-49). Aus dem Matthäusevangelium kennen wir das als «Bergpredigt». Dabei wird mit diesem Aufruf ein Schwerpunkt des Lukas deutlich. Gerade in diesem Evangelium wird uns Gott in seiner Gnade und Barmherzigkeit gezeigt. Das wird schon am Anfang deutlich im Lobgesang der Maria: «Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen und seiner Barmherzigkeit gedacht» (Lk. 1,54). Zwei markante Gleichnisse der Barmherzigkeit sind nur bei Lukas zu finden: Der «barmherzige Samariter» (10,25-37) und der «verlorene Sohn»; besser, das Gleichnis vom «barmherzigen Vater» (15,11-32). Oder wenn man zur Passionsgeschichte in diesem Evangelium blättert, hört man Jesus am Kreuz sagen: «Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.» (23,34)

Warme und freudige Farben der Barmherzigkeit
So gesehen könnte die Losung 2021 eine Einladung dazu sein, mal das Lukasevangelium zu lesen und zu entdecken, wie der «Vater», Gott
barmherzig ist;. vielleicht sogar ein Jahr lang täglich einen Abschnitt aus diesem Evangelium zu lesen – und wenn man durch ist, wieder von
vorne zu beginnen. Barmherzigkeit wird erkennbar an dem, was Jesus lehrt, wie er handelt und wie er sich hingibt für diese Welt, damit wir
Menschen mit Gott in Ordnung kommen. In dem Sinne ist hier nicht einfach Barmherzigkeit gefordert, sondern die Einladung mitgegeben, sich der Barmherzigkeit Gottes zu öffnen und von daher barmherzig zu sein; also aus der Beziehung zum Vater Jesus Christi heraus so zu leben. In einer Auslegung zum Losungsbild von HansJoachim Eckstein (Beilage der Losungs-Karte) steht Folgendes: «Was das Wirken Jesu, seine Verkündigung und sein ganzes Leben so einzigartig macht, ist die Botschaft von der überwältigenden Güte und Barmherzigkeit Gottes, seines himmlischen Vaters. Ob in Jesu heilsamer Zuwendung oder seinen bildreichen Gleichnissen, ob in der Beschreibung der Liebe Gottes und seines Reiches oder in seinem eigenen Lebenseinsatz am Kreuz – in allem, was Jesus lebte, leuchten die warmen und freudigen Farben der Barmherzigkeit Gottes.» – Markus Schöni